Ausbildungsgehalt
Was Azubis wirklich verdienen – und warum es sich lohnt, genau hinzuschauen
Inhaltsverzeichnis· 15 Abschnitte▾
- 1. Was ist ein Ausbildungsgehalt und wie wird es geregelt?
- 2. Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Netto-Ausbildungsgehalt?
- 3. Wer regelt das Azubi-Gehalt – was sagt das Berufsbildungsgesetz (BBiG)?
- 4. Wie hoch ist das Ausbildungsgehalt in verschiedenen Branchen?
- 5. Welche Ausbildungsberufe bringen das meiste (und das wenigste) Geld?
- 6. Wie verändert sich das Gehalt im Lauf der Ausbildungsjahre?
- 7. Was bedeutet Tarifvertrag für das Ausbildungsgehalt?
- 8. Warum verdient ein Azubi in Bayern mehr als in Sachsen?
- 9. Warum bekommen Azubis in schulischen Ausbildungen oft kein Gehalt?
- 10. Was bleibt vom Gehalt übrig? So setzt sich der Azubi-Nettoverdienst zusammen
- 11. Darf ich als Azubi nebenher jobben – und lohnt sich das?
- 12. Kann ich mein Ausbildungsgehalt verhandeln – und was tun bei unfairer Bezahlung?
- 13. Wie schneidet das Ausbildungsgehalt im Vergleich zum Studium ab?
- Fazit: Dein Ausbildungsgehalt – mehr als nur ein Monatsbetrag
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Wie viel verdienst du in der Ausbildung? Und warum variiert das Gehalt so stark je nach Beruf, Region oder Schulform? Dieser ausführliche Artikel rund um das Thema Ausbildungsgehalt erklärt, worauf du als Azubi Anspruch hast, welche Unterschiede es gibt – und wie du deine finanzielle Situation realistisch einschätzen kannst. Von gesetzlichen Grundlagen über Tarifbindung bis hin zu Nebenjobs: Hier bekommst du Klarheit, Orientierung und hilfreiche Tipps für deine Ausbildung.
1. Was ist ein Ausbildungsgehalt und wie wird es geregelt?
Das Ausbildungsgehalt – offiziell auch „Ausbildungsvergütung“ genannt – ist das monatliche Gehalt, das Auszubildende während ihrer Berufsausbildung erhalten. Es handelt sich dabei um eine finanzielle Entlohnung für die geleistete Arbeit im Rahmen der dualen Ausbildung. Die Höhe ist gesetzlich geregelt, hängt aber von vielen Faktoren ab – darunter Branche, Bundesland, Ausbildungsjahr, Betrieb und eventuelle Tarifverträge.
Das Ziel des Ausbildungsgehalts ist:
- den Lebensunterhalt des Azubis anteilig zu sichern,
- einen Anreiz für eine betriebliche Ausbildung zu schaffen,
- die Ausbildung als vollwertige berufliche Tätigkeit anzuerkennen.
Wichtig: Nicht alle Ausbildungen sind gleich vergütet – vor allem schulische Ausbildungen bringen in vielen Fällen gar kein Gehalt mit sich. Dazu später mehr.
2. Was ist der Unterschied zwischen Brutto- und Netto-Ausbildungsgehalt?
Viele Azubis sind überrascht, wenn auf dem Konto weniger Geld landet als ursprünglich im Vertrag stand. Der Grund liegt im Unterschied zwischen Brutto- und Nettoausbildungsgehalt:
- Brutto: Das ist der Betrag, der vertraglich vereinbart wurde – ohne Abzüge.
- Netto: Das ist der Betrag, der dir nach Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen tatsächlich ausgezahlt wird.
Abzüge können sein:
- Rentenversicherung
- Krankenversicherung
- Pflegeversicherung
- Arbeitslosenversicherung
- Lohnsteuer (bei bestimmten Freibeträgen und Steuerklassen)
Beispiel: Du verdienst laut Vertrag 880 € brutto. Nach Abzügen erhältst du vielleicht 760 € netto. Die genaue Höhe hängt von deinem Alter, deiner Steuerklasse und deinen Versicherungsverhältnissen ab. Bei sehr niedrigen Gehältern können die Abzüge aber auch gering oder gar nicht vorhanden sein.
3. Wer regelt das Azubi-Gehalt – was sagt das Berufsbildungsgesetz (BBiG)?
Die gesetzliche Grundlage für das Ausbildungsgehalt ist § 17 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG). Dort heißt es sinngemäß:
„Auszubildende haben Anspruch auf eine angemessene Vergütung. Diese hat mit fortschreitender Ausbildung mindestens jährlich anzusteigen.“
Seit dem 1. Januar 2020 gilt zusätzlich eine gesetzliche Mindestausbildungsvergütung, die jährlich angepasst wird. Sie sichert Azubis eine gerechte Bezahlung – auch in Berufen ohne Tarifbindung.
Mindestvergütung ab 2024 (Beispiel):
- Ausbildungsjahr: mind. 649 €
- Ausbildungsjahr: +18 %
- Ausbildungsjahr: +35 %
- Ausbildungsjahr: +40 %
Diese Beträge gelten nur, wenn kein Tarifvertrag greift. In tarifgebundenen Berufen sind die Azubi-Gehälter meist höher.
4. Wie hoch ist das Ausbildungsgehalt in verschiedenen Branchen?
Das Gehalt unterscheidet sich enorm – je nachdem, in welcher Branche du deine Ausbildung machst. Hier ein Überblick über durchschnittliche Bruttogehälter im 1. Ausbildungsjahr:
| Branche | Ø Ausbildungsgehalt (1. Jahr) |
| Baugewerbe | ca. 935 € |
| Öffentlicher Dienst | ca. 1.070 € |
| Banken & Versicherungen | ca. 1.100 € |
| Industrie (Metall, Chemie) | ca. 1.050 € |
| Pflege & Gesundheit | ca. 1.040 € |
| Handwerk (z. B. Friseur) | ca. 620 € |
| Gastronomie & Hotellerie | ca. 650 € |
| Einzelhandel & Verkauf | ca. 900 € |
Fazit: Wer in der Industrie oder im öffentlichen Dienst lernt, startet mit einem relativ hohen Gehalt. Im Handwerk oder in kreativen Berufen ist die Vergütung oft niedriger – dafür können andere Faktoren wie Arbeitszeiten oder spätere Aufstiegschancen ausgleichend wirken.
5. Welche Ausbildungsberufe bringen das meiste (und das wenigste) Geld?
Ein paar Beispiele für besonders gut oder schlecht vergütete Ausbildungen:
💸 Top 5 Ausbildungsberufe mit hohem Gehalt (1. Jahr)
- Maurer/in – bis zu 1.095 €
- Polizist/in im mittleren Dienst – ca. 1.200 € (je nach Bundesland)
- Bankkaufmann/-frau – ca. 1.100 €
- Elektroniker/in – ca. 1.050 €
- Pflegefachkraft – ca. 1.040 €
🪙 Bottom 5 Ausbildungsberufe mit niedrigem Gehalt
- Friseur/in – ca. 620 €
- Florist/in – ca. 650 €
- Bäcker/in – ca. 680 €
- Restaurantfachmann/-frau – ca. 660 €
- Koch/Köchin – ca. 670 €
Der Unterschied kann also bei über 500 € monatlich liegen – schon im ersten Ausbildungsjahr!
6. Wie verändert sich das Gehalt im Lauf der Ausbildungsjahre?
Gute Nachrichten: Dein Gehalt steigt während der Ausbildung mit jedem Jahr. Die Erhöhung ist gesetzlich vorgesehen (§17 BBiG) und staffelt sich – entweder tariflich oder mindestens nach gesetzlichen Vorgaben:
Beispielhafte Staffelung laut Mindestvergütung (Stand 2024):
- Jahr: 649 €
- Jahr: 649 € + 18 % = ca. 766 €
- Jahr: 649 € + 35 % = ca. 876 €
- Jahr: 649 € + 40 % = ca. 909 €
In tarifgebundenen Betrieben ist der Anstieg oft noch deutlicher – hier kann das dritte Jahr z. B. bis zu 1.300 € bringen.
Tipp: Informiere dich vor Ausbildungsbeginn über die Staffelung in deinem Wunschberuf!
7. Was bedeutet Tarifvertrag für das Ausbildungsgehalt?
Ein Tarifvertrag ist eine Vereinbarung zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften über Arbeitsbedingungen – darunter auch das Gehalt.
Wenn dein Ausbildungsbetrieb tarifgebunden ist, gilt:
- dein Ausbildungsgehalt ist meist überdurchschnittlich hoch,
- du hast Recht auf jährliche Erhöhungen,
- die Regelungen gelten verbindlich.
Vorteile für Azubis in tarifgebundenen Betrieben:
- klare Gehaltsstruktur
- Zusatzleistungen (z. B. Weihnachtsgeld, Fahrkostenzuschuss)
- höhere Transparenz und Rechtssicherheit
Beispiel: Ein Azubi im öffentlichen Dienst erhält je nach Beruf und Bundesland bis zu 1.200 € im ersten Jahr, oft mit Sonderzahlungen.
8. Warum verdient ein Azubi in Bayern mehr als in Sachsen?
Regionale Unterschiede spielen beim Ausbildungsgehalt eine große Rolle – trotz gesetzlicher Mindestvergütung.
Ursachen:
- Tarifbindung ist in Westdeutschland stärker als im Osten.
- Lebenshaltungskosten sind regional unterschiedlich – Großstädte vs. ländliche Regionen.
- Branchenstruktur: In Bayern gibt es z. B. viele Industriebetriebe mit guter Bezahlung.
| Bundesland | Ø Ausbildungsgehalt (1. Jahr) |
| Bayern | ca. 1.010 € |
| Baden-Württemberg | ca. 980 € |
| Nordrhein-Westfalen | ca. 960 € |
| Sachsen | ca. 850 € |
| Thüringen | ca. 820 € |
Fazit: Je nach Wohnort kann dein Gehalt deutlich variieren – allerdings oft auch die Lebenshaltungskosten (Miete, ÖPNV etc.).
9. Warum bekommen Azubis in schulischen Ausbildungen oft kein Gehalt?
Anders als duale Ausbildungen (im Betrieb + Berufsschule), finden schulische Ausbildungen ausschließlich an einer Fachschule statt – z. B. in den Bereichen Sozialpädagogik, Pflege, Gestaltung oder Medizin.
Typische schulische Ausbildungen ohne Gehalt:
- Erzieher/in (in der Erstausbildung)
- Physiotherapeut/in
- Logopäde/in
- Gestaltungstechnische/r Assistent/in
Finanzierungsmöglichkeiten:
- BAföG (wenn Schule staatlich anerkannt ist)
- Nebenjobs (mit Grenzen!)
- Unterstützung durch Eltern oder Wohngeld
Tipp: Informiere dich frühzeitig über mögliche Finanzhilfen. Gerade in sozialen Berufen gibt es in manchen Bundesländern Vergütungsmodelle ab dem 2. Jahr.
10. Was bleibt vom Gehalt übrig? So setzt sich der Azubi-Nettoverdienst zusammen
Der Bruttobetrag ist nur ein Teil der Wahrheit. Entscheidend ist, was nach Abzügen übrig bleibt – dein Netto-Ausbildungsgehalt.
Typische Abzüge für Azubis:
- Sozialabgaben (Kranken-, Renten-, Pflege-, Arbeitslosenversicherung)
- Lohnsteuer (je nach Einkommen und Steuerklasse)
- Kirchensteuer (wenn du Kirchenmitglied bist)
Beispielrechnung:
| Position | Betrag in € (bei 950 € brutto) |
| Bruttogehalt | 950 € |
| Rentenversicherung (9,3 %) | – 88,35 € |
| Krankenversicherung (ca. 7,3 %) | – 69,35 € |
| Pflegeversicherung | – 14,25 € |
| Arbeitslosenversicherung | – 11,40 € |
| Netto | ca. 767 € |
Wenn dein Gehalt unter der Steuerfreigrenze bleibt (10.908 € jährlich, Stand 2024), zahlst du keine Einkommensteuer.
11. Darf ich als Azubi nebenher jobben – und lohnt sich das?
Ein Nebenjob während der Ausbildung ist grundsätzlich erlaubt – aber es gelten Einschränkungen.
Voraussetzungen:
- dein Hauptjob bleibt die Ausbildung!
- du darfst max. 10 Stunden pro Woche zusätzlich arbeiten
- der Nebenjob darf die Ausbildung nicht beeinträchtigen
- bei Minderjährigen gelten besondere Regeln (z. B. Arbeitszeitgesetz)
Steuerliche Aspekte:
- Bei einem Minijob (bis 538 €/Monat) musst du keine Steuern zahlen.
- Bei mehreren Jobs kann es zur Steuerpflicht kommen – achte auf deine Lohnsteuerklasse!
Tipp: Kläre vorher mit deinem Ausbildungsbetrieb, ob ein Nebenjob erlaubt ist – viele Betriebe bestehen auf eine schriftliche Genehmigung.
12. Kann ich mein Ausbildungsgehalt verhandeln – und was tun bei unfairer Bezahlung?
Grundsätzlich ist das Ausbildungsgehalt nicht verhandelbar, wenn es sich um tariflich gebundene Ausbildungen handelt oder die Mindestvergütung gilt. Aber es gibt Ausnahmen:
Mögliche Wege zur besseren Bezahlung:
- Zusatzaufgaben übernehmen (z. B. Azubi-Botschafter, Teamverantwortung)
- Antrag auf Fahrtkostenzuschuss oder Essensgeld
- Wechsel in einen besser zahlenden Betrieb
Was tun bei zu niedrigem Gehalt?
Wenn du weniger bekommst als gesetzlich vorgesehen, ist das rechtswidrig! Deine Ansprechpartner:
- IHK / HWK (Industrie- und Handelskammer / Handwerkskammer)
- Jugend- und Auszubildendenvertretung
- Gewerkschaften
- Ausbildungsberatung
Scheue dich nicht, Hilfe zu suchen – du hast ein Recht auf faire Bezahlung!
13. Wie schneidet das Ausbildungsgehalt im Vergleich zum Studium ab?
Viele stellen sich die Frage: Lohnt sich eine Ausbildung finanziell mehr als ein Studium?
Vergleich:
| Kategorie | Ausbildung | Studium |
| Monatlicher Verdienst | 600–1.200 € (je nach Beruf) | Meist kein Einkommen (außer Nebenjob) |
| Sozialversicherung | Ja | Oft familienversichert |
| Studienkosten | Gering (Berufsschule kostenfrei) | Hoch (Semesterbeiträge, Bücher etc.) |
| Förderung | ggf. BAB, BAföG | BAföG möglich |
Fazit: Eine Ausbildung bietet früh finanzielle Unabhängigkeit – beim Studium musst du oft mehrere Jahre ohne geregeltes Einkommen überbrücken.
Fazit: Dein Ausbildungsgehalt – mehr als nur ein Monatsbetrag
Das Ausbildungsgehalt ist nicht nur eine Zahl auf dem Konto – es spiegelt den Wert deiner Arbeit, deinen Berufsweg und auch deine Zukunftsaussichten wider. Informiere dich frühzeitig, nutze Vergleichsmöglichkeiten und kenne deine Rechte.
Du hast es verdient, für deine Leistung fair bezahlt zu werden – und mit dem richtigen Wissen kannst du dich dafür stark machen.
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