Erzieher/in
Was macht man in diesem Beruf?
Erzieher/innen nehmen Betreuungs-, Erziehungs- und Bildungsaufgaben in Einrichtungen für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene wahr. Ihre Arbeitsschwerpunkte liegen dabei auf sozialpädagogischen Aufgaben in der Kinder- und Jugendarbeit, in Kindertageseinrichtungen und Schulen oder in Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. Sie beobachten das Verhalten, Befinden sowie den Entwicklungsstand der Kinder und Jugendlichen, erstellen Erziehungspläne und wenden altersgerechte pädagogische Methoden an, z.B. für das Erlernen bestimmter Fähigkeiten oder Verhaltensweisen. Um die körperliche und geistige Entwicklung zu fördern, motivieren sie beispielsweise zu kreativen Aktivitäten, zu freiem und gelenktem Spiel oder zu Bewegung. Darüber hinaus bereiten Erzieher/innen Speisen zu, behandeln leichte Verletzungen und halten die Kinder zu Körperpflege und Hygiene an. Sie reflektieren ihre erzieherische Arbeit im Team mit den Kolleginnen und Kollegen und arbeiten, je nach Einrichtung, mit Fachleuten aus Medizin, Psychologie und Therapie zusammen. Zu Eltern bzw. Erziehungsberechtigten halten sie engen Kontakt und stehen ihnen informierend und beratend zur Seite. Die Gestaltung und Weiterentwicklung der pädagogischen Arbeit an Bildungseinrichtungen kann ebenfalls zu ihren Aufgaben gehören. Wo arbeitet man? Beschäftigungsbetriebe: Erzieher/innen finden Beschäftigung in Kindertagesstätten und Familienzentren, Kinder- und Jugendwohnheimen, Jugendzentren an Schulen (Ganztagsbetreuung), in E
Die Ausbildung im Überblick
Erzieher/in ist eine landesrechtlich geregelte schulische Aus- bzw. Weiterbildung an Fachschulen, Fachakademien und Berufskollegs.
Sie dauert in Vollzeit 2-4 Jahre, in Teilzeit 2-6 Jahre und führt zu einer staatlichen Abschlussprüfung. Andere landesrechtlich geregelte Aus- und Weiterbildungen im Bereich Erziehung dauern in Teilzeit 15 Monate bis 36 Monate und führen zu einer staatlichen Abschlussprüfung bzw. einem Zertifikat.
Je nach Bundesland kann die Ausbildung auch in einer praxisintegrierten Ausbildungsform (PiA) durchgeführt werden.
Ausbildungsinhalte
was man über den Einfluss von sozioökonomischen Bedingungen, kulturell und religiös bedingten, lebensweltlichen, sozialen und institutionellen Normen und Regeln auf das Verhalten und Erleben von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen wissen muss
wie man pädagogische Beziehungen zu Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen gestaltet
wie individuelle Entwicklungs- und Bildungsprozesse angeregt, unterstützt und gefördert werden können
was bei Gruppenaktivitäten und Gruppenarbeit zu beachten ist
wie man mit Eltern, Bezugspersonen und anderen Institutionen zusammenarbeitet
wie Konzepte und Prozesse im Team entwickelt und umgesetzt werden
was man über die rechtlichen, finanziellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen der Institution wissen muss
wie man mit anderen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, Fachdiensten und Bildungsinstitutionen kooperiert
Während der Aus- bzw. Weiterbildung werden auch allgemeinbildende Fächer wie Deutsch, Englisch, Wirtschafts- und Sozialkunde sowie Religionslehre unterrichtet.
PraktikaBei Praktika werden die theoretischen Inhalte in sozialpädagogischen Einrichtungen umgesetzt und angewendet. Die Schüler/innen sammeln Erfahrungen in den berufstypischen Arbeitsmethoden und gewinnen einen Überblick über Aufbau und Ablauforganisation der jeweiligen Einrichtung.
ZusatzkenntnisseJe nach Angebot der einzelnen Schulen werden Zusatzkenntnisse vermittelt, die den Erwerb der Fachhochschulreife bzw. der allgemeinen Hochschulreife ermöglichen.
Ausbildungsaufbau
Fachrichtungsübergreifender Lernbereich: mindestens 360 Stunden
Fachrichtungsbezogener Lernbereich: mindestens 1.800 Stunden
Praxis in sozialpädagogischen Tätigkeiten: mindestens 1.200 Stunden
Gesamtstundenzahl: mindestens 3.600 Stunden
Die Angebote der einzelnen Bildungsstätten können hiervon abweichen.
Beispiel für die StundenverteilungPflichtbereichI. Fachrichtungsübergreifender Lernbereich:
Deutsch: 160 Stunden
Englisch: 160 Stunden
Religion/Ethik: 80 Stunden
Fachrichtungsübergreifender Bereich insgesamt: 400 Stunden
II. Fachrichtungsbezogener Lernbereich:
Berufliche Identität und professionelle Perspektiven weiter entwickeln: 240 Stunden
Pädagogische Beziehungen gestalten und mit Gruppen pädagogisch arbeiten: 240 Stunden
Lebenswelten und Diversität wahrnehmen, verstehen und Inklusion fördern: 240 Stunden
Sozialpädagogische Bildungsarbeit in den Bildungsbereichen professionell gestalten: 880 Stunden
Erziehungs- und Bildungspartnerschaften mit Eltern und Bezugspersonen gestalten sowie Übergänge unterstützen: 80 Stunden
Institution und Team entwickeln sowie in Netzwerken kooperieren: 80 Stunden
Sozialpädagogische Praxis (Begleit- oder Blockpraktika): 460 Stunden
Mentoring: 160 Stunden
Vertiefungsbereich: 240 Stunden
Fachrichtungsbezogener Bereich insgesamt: 2.620 Stunden
Pflichtbereich insgesamt: 3.020 Stunden
WahlfächerWahlunterricht insgesamt: 160 Stunden
Gesamtstundenzahl:3.180 Stunden
Das Berufspraktikum mit 160 Stunden Begleitunterricht und Praxisbetreuung findet im 3. Ausbildungsabschnitt statt.
Lernorte
Erzieher/innen werden in schulischer Form ausgebildet.
Lernorte sind
Fachschule/Fachakademie/Berufskolleg: Unterrichtsräume (Unterricht im Klassenverband)
Praktikumsbetriebe: sozialpädagogische Einrichtungen wie z.B. Kindergärten, Kinderkrippen, Kinderhorte, Kindertagesstätten, Kinder- und Jugendheime, Freizeiteinrichtungen der Jugendarbeit, Einrichtungen für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen
Zugangsvoraussetzungen für die Ausbildung
In der Regel ist mittlerer Bildungsabschluss erforderlich. Zudem ist i.d.R. entweder eine abgeschlossene Ausbildung z.B. in einem (sozial-)pädagogischen, sozial- oder familienpflegerischen Ausbildungsberuf oder eine mehrjährige für die Aus- bzw. Weiterbildung förderliche Berufstätigkeit nachzuweisen.
Ein Nachweis über den Masernschutz ist für die praktische Ausbildung in Gemeinschaftseinrichtungen und medizinischen Einrichtungen nötig. Darüber hinaus können Einrichtungen weitere Schutzimpfungen (z.B. gegen Hepatitis A und B) bzw. entsprechende Immunitätsnachweise verlangen.
Weitere Voraussetzungen können je nach Bundesland und Bildungsangebot vorliegen.
Wichtige Schulfächer
Vertiefte Kenntnisse in folgenden Schulfächern bilden gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Aus- bzw. Weiterbildung:
Deutsch: z.B. um bei der Sprach- und Sprecherziehung mitzuwirken
Kunst: z.B. um Kinder zum Malen und Basteln anzuleiten
Musik: z.B. um zusammen mit Kindern und Jugendlichen zu musizieren
Pädagogik/Psychologie: z.B. um Kinder angemessen zu betreuen und zu fördern
Hauswirtschaftslehre: z.B. um Mahlzeiten zuzubereiten
Auswahlverfahren
Die Bildungseinrichtungen wählen Bewerber/innen nach eigenen Kriterien aus. Art und Umfang der beruflichen Vorpraxis spielen bei der Bewerberauswahl eine große Rolle. Manche Bildungsangebote richten sich gezielt an Personen mit mehrjähriger Berufserfahrung im sozialpädagogischen Bereich.
Ausbildungsvergütung
Der Besuch von schulischen Einrichtungen der Aus- bzw. Weiterbildung wird nicht vergütet.
Die Praktikumsphasen während der schulischen Aus- bzw. Weiterbildung werden ggf. vergütet.
Wird die Aus- bzw. Weiterbildung in einer praxisintegrierten Ausbildungsform (PiA) absolviert, erhalten Auszubildende an Einrichtungen des öffentlichen Dienstes oder an Einrichtungen von Trägern, die sich an die tariflichen Vereinbarungen des öffentlichen Dienstes anlehnen, folgende Ausbildungsentgelte (monatlich brutto):
1. Ausbildungsjahr: 1.491 €
2. Ausbildungsjahr: 1.552 €
3. Ausbildungsjahr: 1.653 €
Quelle:
Tarifvertrag für Auszubildende des öffentlichen Dienstes - Allgemeiner Teil und Besonderer Teil Pflege (TVAöD-Pflege)
Das für die staatliche Anerkennung erforderliche Berufspraktikum wird mit einem Praktikumsentgelt vergütet; dieses beträgt in kommunalen Einrichtungen 1.952 € pro Monat.
Quelle:
Tarifvertrag für Praktikantinnen und Praktikanten des öffentlichen Dienstes (TVPöD)
Hinweis: Diese Angaben dienen der Orientierung. Ansprüche können daraus nicht abgeleitet werden.
Perspektiven nach der Ausbildung
Ihre Chancen können angehende Erzieher/innen bereits während der Aus- bzw. Weiterbildung verbessern, indem sie Zusatzqualifikationen erwerben, z.B. die Fachhochschulreife oder die allgemeine Hochschulreife als Basis für ein späteres Studium.
Die passende Beschäftigung findenNach ihrer Aus- bzw. Weiterbildung arbeiten Erzieher/innen in kommunalen und kirchlichen Kindergärten, Kinderkrippen sowie in Horten, Heimen oder Jugendzentren für Kinder und Jugendliche.
Die Beschäftigungsfähigkeit sichernDurch Anpassungsweiterbildung kann man seine Fachkenntnisse aktuell halten oder auf den neuesten Stand bringen. Das Themenspektrum reicht dabei von Elementarpädagogik bis hin zu Elternberatung.
Beruflich weiterkommenEine Aufstiegsweiterbildung hilft, beruflich voranzukommen und Führungspositionen zu erreichen. Naheliegend ist es, eine Weiterbildung als Fachwirt/in für Erziehungswesen zu absolvieren.
Mit einer Hochschulzugangsberechtigung kann man auch studieren und beispielsweise einen Bachelorabschluss im Studienfach Kindheitspädagogik erwerben.
Sich selbstständig machenAuch der Schritt in die Selbstständigkeit ist möglich, z.B. mit einer privaten Einrichtung zur Betreuung von Kindern.