Lehrer/in - Waldorfschulen (Ausbildung)
Was macht man in diesem Beruf?
Lehrer/innen an Waldorfschulen unterrichten als Klassen- oder Oberstufenlehrer/innen Fächer wie Deutsch, Mathematik, Geschichte, Biologie, Geografie, Physik und Chemie im sogenannten Hauptunterricht. Als Fachlehrer/innen erteilen sie z.B. Unterricht in Fremdsprachen, Musik, Handarbeit, Eurythmie, Sport, Gartenbau oder Werken. An heilpädagogischen Schulen unterrichten sie als Klassenlehrer/innen Schüler/innen in allen Fächern (z.B. Deutsch, Mathematik, Geschichte, Sachkunde), als Fachlehrer/innen oft nur in jeweils einem, meist praktischen, Unterrichtsfach. Lehrer/innen an Waldorfschulen bereiten den Lernstoff schülergerecht auf und besorgen Unterrichtsmaterialien bzw. erstellen diese selbst. Im Unterricht tragen sie Sachverhalte frei vor, leiten ihre Schüler/innen an, zeigen Lösungswege auf und führen Versuche durch. Außerdem erteilen und besprechen sie Hausaufgaben, führen regelmäßig Tests durch, um den Lernerfolg zu überprüfen, und beurteilen den individuellen Entwicklungsstand ihrer Schüler/innen. Wo arbeitet man? Beschäftigungsbetriebe: Lehrer/innen an Waldorfschulen finden Beschäftigung an Waldorfschulen. Arbeitsorte: Lehrer/innen an Waldorfschulen arbeiten in erster Linie in Klassenzimmern und anderen Unterrichtsräumen der Schule, z.B. Chemie- oder Physiksälen, Musiksälen, Werkräumen, Handarbeitsräumen, Turnhallen zu Hause (Unterrichtsvor- und -nachbereitung) in Besprechungsräumen und Lehrerzimmern im Freien (z.B. im Sportunterricht, als Pausenaufsicht, bei Ausflügen) W
Die Ausbildung im Überblick
Lehrer/in an Waldorfschulen ist eine Aus- bzw. Weiterbildung, die durch interne Vorschriften der Lehrgangsträger geregelt ist.
Je nach Lehrgangsträger können z.B. Zugangsvoraussetzungen, Dauer der Aus- bzw. Weiterbildung und Abschlussbezeichnungen unterschiedlich sein.
Die Aus- bzw. Weiterbildung ist in verschiedenen Bereichen möglich, z.B. als Klassen- oder Oberstufenlehrer/in in den Hauptunterrichtsfächern, als Fachlehrer/in für Handarbeit, musische Fächer, Sport, Gartenbau, Werken und Fremdsprachen oder als Lehrer/in an inklusiven oder heilpädagogischen Waldorfschulen.
Daneben besteht die Möglichkeit, Waldorfpädagogik an Hochschulen zu studieren.
Ausbildungsinhalte
Klassenlehrer/in, z.B.:
allgemeine Inhalte: Waldorfpädagogik, Schule und Gesellschaft, Erziehung und Bildung, Methodik und Didaktik
Künstlerische Übungen: Musik, Malen, Eurythmie
Fachunterricht: Deutsch, Geschichte, Mathematik, Biologie, Geografie, Physik, Chemie
Wahlfach: Werken, Handarbeit, Fremdsprachen, Sport, Gartenbau
Fachlehrer/in, z.B.:
allgemeine Inhalte: Anthropologie, Entwicklungslehre, Mitwirkung in der schulischen Selbstorganisation, Kooperation mit Eltern
künstlerische Übungen
Fachdidaktik/Methodik, Unterrichtsplanung, Durchführung und Reflektion
Fachunterricht: Fremdsprachen (z.B. Englisch, Französisch, Russisch), Musik, Eurythmie, Sport, Gartenbau, Werken, Handarbeit
Oberstufenlehrer/in, z.B.:
allgemeine Inhalte: Jugendpädagogik und Entwicklungspsychologie, Erkenntnistheorie, praktische Aspekte der Unterrichtsorganisation
Kunst: Theater, Musik, Eurythmie, Sprachentwicklung, Bildende Kunst
Fachunterricht: Physik, Biologie, Chemie, Mathematik, Geschichte, Englisch, Deutsch, Geographie, Musik
Lehrer/in an heilpädagogischen Waldorfschulen, z.B.:
Entwicklung heil- und sonderpädagogischer Unterrichtskompetenz
Entwicklung diagnostischer Kompetenzen
Fachunterricht: z.B. Deutsch, Mathematik, Geschichte, Sachkunde
Hospitationen und Praktika unterschiedlicher Dauer an Waldorfschulen geben den angehenden Lehrern/Lehrerinnen die Möglichkeit, unter Anleitung ihre pädagogischen Fähigkeiten zu erproben.
Lernorte
Lehrer/innen an Waldorfschulen werden in schulischer Form ausgebildet.
Lernorte sind
bei Präsenzveranstaltungen: Unterrichtsräume an einer freien Hochschule, einer Akademie oder einem Institut für Waldorfpädagogik
bei Fernunterricht: zu Hause, ggf. Unterrichtsräume bei Präsenzphasen
im Praktikum und bei Hospitationen: Waldorfschulen (Klassenzimmer, Werkstätten, Übungsräume, Turnhallen, im Freien)
Zugangsvoraussetzungen für die Ausbildung
Rechtlich ist keine bestimmte Vorbildung vorgeschrieben.
Die Bildungseinrichtungen legen eigene Zugangskriterien fest. In der Regel wird die allgemeine Hochschulreife oder ein Hochschulstudium bzw. ein mittlerer Bildungsabschluss in Verbindung mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung vorausgesetzt.
Darüber hinaus existieren je nach Bildungsangebot bzw. Bundesland sowie je nach Unterrichtsfach zum Teil fächerabhängige Anforderungen.
Ein Nachweis über den Masernschutz ist für die praktische Ausbildung in Gemeinschaftseinrichtungen und medizinischen Einrichtungen nötig. Darüber hinaus können Einrichtungen weitere Schutzimpfungen (z.B. gegen Hepatitis A und B) bzw. entsprechende Immunitätsnachweise verlangen.
Wichtige Schulfächer
Vertiefte Kenntnisse in folgenden Schulfächern sind gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Aus- bzw. Weiterbildung:
Deutsch: z.B. um zu unterrichten und bei der Schulorganisation mitzuwirken
Englisch: z.B. um Literatur in englischer Sprache zu lesen
Pädagogik/Psychologie: z.B. um Unterrichtsstoff ansprechend zu vermitteln
Kunst/Musik: z.B. um Kenntnisse der Anthroposophie mit künstlerischen Übungen zu vermitteln
Geschichte/Politik/Sozialkunde: z.B. um gesellschaftliche Entwicklungen zu verstehen
Mathematik: z.B. Bruch- und Dezimalrechnung, Potenz- und Wurzelrechnung
Physik/Chemie: z.B. um diese Fächer zu unterrichten
Ethik/Philosophie: z.B. um Hintergründe der Waldorfpädagogik zu verstehen
Ausbildungsvergütung
Für die Aus- bzw. Weiterbildung wird keine Vergütung gezahlt.
Perspektiven nach der Ausbildung
Nach ihrer Aus- bzw. Weiterbildung arbeiten Lehrer/innen an Waldorfschulen an anthroposophisch orientierten Privatschulen (Waldorfschulen).
Die Beschäftigungsfähigkeit sichernDurch Anpassungsweiterbildung können Lehrer/innen an Waldorfschulen ihre Fachkenntnisse aktuell halten oder auf den neuesten Stand bringen. Das Themenspektrum reicht dabei von Schulpädagogik bis hin zu Elternberatung.
Beruflich weiterkommenMit einer Hochschulzugangsberechtigung kann man auch studieren und beispielsweise einen Bachelorabschluss im Studienfach Waldorfpädagogik erwerben.
Sich selbstständig machenAuch der Schritt in die Selbstständigkeit ist möglich, z.B. mit einer privaten Nachhilfeschule.