Warum du diesen Artikel lesen solltest:
Das Anschreiben ist oft das erste, was Personalverantwortliche von dir lesen – und manchmal auch das Einzige. Es entscheidet darüber, ob dein Lebenslauf überhaupt Beachtung findet. Ein gutes Anschreiben ist Türöffner, Visitenkarte und Bewerbungsschlüssel zugleich. In diesem umfassenden Glossarbeitrag erfährst du alles, was du zum Thema Anschreiben wissen musst: von der Bedeutung über den Aufbau, typische Fehler, Zielgruppenbesonderheiten bis hin zur digitalen Umsetzung. Ob du dich auf eine Ausbildung, ein Praktikum oder als Quereinsteiger:in bewirbst – hier bekommst du klare Antworten, Beispiele und Tipps für ein starkes Bewerbungsschreiben.
1. Was ist ein Anschreiben – und warum ist es so wichtig?
Ein Anschreiben, auch Bewerbungsschreiben genannt, ist ein kurzer Text, den du einer Bewerbung beilegst. Es erklärt, warum du dich auf genau diese Stelle bewirbst und warum du gut zum Unternehmen passt. Es ergänzt den Lebenslauf um persönliche Aspekte und deine Motivation. Anders als im Lebenslauf, der eher sachlich ist, kannst du im Anschreiben zeigen, wer du bist, was dich ausmacht und wohin du willst.
Ein gelungenes Anschreiben:
- weckt Neugier,
- zeigt Passung zur Stelle,
- hebt deine Stärken hervor,
- vermittelt Motivation.
Fehlt es oder ist es schwach, wird die Bewerbung oft gar nicht erst vollständig gelesen – selbst bei perfekten Noten. Deshalb ist das Anschreiben ein entscheidender Erfolgsfaktor auf deinem Weg in den Beruf.
2. Wie ist ein gutes Anschreiben aufgebaut?
Ein überzeugendes Anschreiben folgt einem klaren Aufbau, der den Leser:innen eine schnelle Orientierung gibt. Wichtig: Es sollte nicht länger als eine Seite sein und klar gegliedert sein – mit Betreff, Einleitung, Hauptteil und Schluss.
Aufbau im Überblick:
- Absender + Datum + Empfängeradresse
- Betreffzeile (z. B. „Bewerbung um einen Ausbildungsplatz als…“)
- Anrede (wenn möglich persönlich)
- Einleitung (Interesse wecken, Bezug zur Stelle herstellen)
- Hauptteil (Fähigkeiten, Motivation, Bezug zum Unternehmen)
- Schlusssatz (Einladung zum Gespräch anregen, Grußformel)
- Unterschrift (bei digitalen Bewerbungen eingescannt oder getippt)
💡 Tipp: Wer den Namen der Ansprechperson kennt, sollte sie direkt ansprechen („Sehr geehrte Frau Müller…“) – das zeigt, dass du dich mit dem Unternehmen beschäftigt hast.
3. Wie lang darf ein Anschreiben sein?
Ein klassisches Anschreiben ist genau eine DIN-A4-Seite lang – nicht mehr, nicht weniger. Es gilt: kurz, prägnant und auf den Punkt. Dabei solltest du ca. 250 bis 300 Wörter nicht überschreiten. Nutze Absätze, keine zu kleinen Schriftgrößen (min. 11 pt) und achte auf einheitliche Formatierung nach DIN 5008.
Vermeide:
- ellenlange Schachtelsätze,
- Copy-Paste-Absätze aus Mustern,
- übermäßige Wiederholungen aus dem Lebenslauf.
Struktur und Lesbarkeit sind entscheidend – denn Personaler:innen lesen oft Dutzende Anschreiben am Tag.
4. Was gehört unbedingt in den Inhalt eines Anschreibens?
Der Inhalt eines Bewerbungsschreibens sollte individuell und überzeugend sein. Dabei sind drei zentrale Fragen zu beantworten:
- Warum bewerbe ich mich genau auf diese Stelle?
- Was qualifiziert mich für diese Position?
- Warum passe ich zu diesem Unternehmen?
Konkret solltest du eingehen auf:
- Stärken & Kompetenzen, die relevant für den Beruf sind.
- Leidenschaft für den Bereich (z. B. handwerkliches Interesse, soziales Engagement).
- Bezug zur Stellenanzeige (Anforderungen erkennen und spiegeln).
- Wertschätzung für das Unternehmen (Recherche nutzen: Werte, Projekte, Image).
Formulierungsbeispiel:
„Bereits in meiner Schulzeit habe ich gemerkt, wie sehr mich technische Zusammenhänge faszinieren – daher freue ich mich besonders, mich bei Ihnen um die Ausbildung zum Mechatroniker zu bewerben.“
5. Wie schreibe ich ein Anschreiben für eine Ausbildung?
Für viele Jugendliche ist das Anschreiben für eine Ausbildungsbewerbung das erste Bewerbungsschreiben überhaupt. Besonders wichtig sind hier Authentizität und klare Motivation.
Inhaltlich zählen:
- Warum dieser Beruf?
- Warum dieser Betrieb?
- Was bringe ich mit (Schule, Praktika, Stärken)?
Typische Formulierungen:
- „Ich habe durch ein Schulpraktikum erste Einblicke in den Beruf erhalten…“
- „Ich bin teamfähig und arbeite gerne praktisch – das passt gut zur Ausbildung als…“
Vermeide Standardfloskeln wie: „Hiermit bewerbe ich mich…“ oder „Mit großem Interesse habe ich gelesen…“
💡 Tipp: Verwende stattdessen einen persönlichen Einstieg, z. B.:
„Schon als Kind habe ich gerne eigene Bastelideen umgesetzt – heute möchte ich diese Kreativität in die Ausbildung als Tischler einbringen.“
6. Wie formuliere ich ein Anschreiben für ein Praktikum?
Ein Praktikum dient oft dazu, Berufe kennenzulernen oder theoretisches Wissen in der Praxis zu erproben. Das Anschreiben sollte dies deutlich machen.
Für Schülerpraktika:
- Bezug zur Schule und Interessen herstellen
- Motivation („Ich möchte den Beruf XY besser kennenlernen…“)
- Kein übertriebener Lebenslauf-Stil – bleibe jugendlich und ehrlich
Für Pflichtpraktika im Studium:
- Studiengang erwähnen
- Fachliche Interessen und bisherige Projekte nennen
- Ziel des Praktikums benennen
Für freiwillige Praktika:
- Aktives Interesse an Branche oder Firma betonen
- Eigeninitiative hervorheben
7. Wie gelingt ein Anschreiben für den Quereinstieg?
Du willst dich neu orientieren, hast aber keine direkte Berufserfahrung in dem gewünschten Bereich? Kein Problem – im Anschreiben kannst du trotzdem überzeugen.
Tipps für Quereinsteiger:innen:
- Betone deine Motivation für den Wechsel
- Übertrage vorhandene Erfahrungen auf den neuen Bereich
- Zeige Lernbereitschaft und Neugier
Beispiel:
„In meiner bisherigen Tätigkeit als Verkäuferin habe ich gelernt, mit Menschen lösungsorientiert zu kommunizieren – diese Stärke möchte ich nun in die Ausbildung zur Kauffrau für Büromanagement einbringen.“
8. Wie formuliere ich ein persönliches und individuelles Anschreiben?
Kein Personaler möchte ein generisches „Muster-Anschreiben“. Umso wichtiger ist Individualisierung – und die beginnt mit echter Beschäftigung mit der Firma.
So gelingt ein persönlicher Bezug:
- Werte und Kultur des Unternehmens aufgreifen
- Konkrete Projekte erwähnen
- Ansprechperson recherchieren und direkt anschreiben
💡 Tipp: Verwende Formulierungen wie:
- „Besonders angesprochen hat mich Ihr Engagement im Bereich Nachhaltigkeit…“
- „Ihr Azubi-Film auf Ihrer Website hat mir gezeigt, dass…“
9. Wie beginnt und endet ein gutes Anschreiben?
Einstieg:
Verzichte auf klassische Phrasen und starte direkt mit einem persönlichen, thematischen oder überraschenden Einstieg.
Beispiele:
- „Schon früh wusste ich: Ich will etwas mit Menschen machen.“
- „Teamgeist, Zuverlässigkeit und Neugier – das bringe ich mit.“
Schluss:
- Bedanke dich für die Möglichkeit der Bewerbung.
- Zeige dich offen für ein Gespräch.
- Freundliche Grußformel + Unterschrift
Beispiel:
„Ich freue mich darauf, Sie in einem persönlichen Gespräch von meiner Motivation zu überzeugen. Mit freundlichen Grüßen …“
Optional: Gehaltsvorstellung & Eintrittstermin – nur wenn in der Anzeige verlangt!
10. In welchem Format sende ich ein Anschreiben – und was gilt online?
Format:
- PDF ist Standard – niemals Word-Dateien senden!
- Dokument ordentlich benennen (z. B. „Max_Mustermann_Anschreiben_Ausbildung.pdf“)
- Seitenränder: 2,5 cm; Schriftgröße: mind. 11 pt
Online-Bewerbung:
- Per Mail: Anschreiben im Anhang als PDF (nicht im Mailtext)
- Online-Portale: Eingabemaske beachten, ggf. zusätzlich PDF hochladen
- HTML-Mails vermeiden (können fehlerhaft angezeigt werden)
Bewerbungstools:
Online-Generatoren können hilfreich sein – aber niemals 1:1 übernehmen. Immer personalisieren, sonst wirkst du austauschbar.
✅ Fazit: Ein gutes Anschreiben ist deine Eintrittskarte
Ob du dich auf eine Ausbildung, ein Praktikum oder eine neue Stelle bewirbst – ein starkes Anschreiben öffnet dir die Tür. Es zeigt nicht nur, was du kannst, sondern wer du bist. Mit Struktur, persönlicher Note und klarer Sprache überzeugst du – auch ohne perfekten Lebenslauf. Nutze diesen Glossartext als Leitfaden, Inspiration und praktische Hilfe. Und vor allem: Trau dich, du selbst zu sein.
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