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Lernziele

Definition, Formulierung, Messung und Praxis in der dualen Ausbildung

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Inhaltsverzeichnis· 22 Abschnitte▾
  1. Welche Arten von Lernzielen gibt es (kognitiv, affektiv, psychomotorisch)?
  2. Wie formuliert man Lernziele SMART – und was sind gute Operatoren?
  3. Wie helfen Taxonomien (Bloom, Anderson/Krathwohl) bei Lernzielen?
  4. Welche Rechtsgrundlagen und Rahmen (BBiG/HwO, Rahmenlehrpläne, Schulrecht, DSGVO) sind relevant?
  5. Wie leiten Betriebe und Schulen Lernziele aus Ordnungsgrundlagen ab?
  6. Wie integrieren wir Lernziele in den betrieblichen Ausbildungsplan (je Lehrjahr)?
  7. Wie verankern Berufsschulen Lernziele in Lernfeldern und Lernsituationen?
  8. Welche Rolle spielen AEVO und Unterweisung für Lernziele im Betrieb?
  9. Wie überprüfen wir Zielerreichung (formativ, summativ, Rubrics, ePortfolio)?
  10. Wie funktionieren Kommunikation & Feedback rund um Lernziele (Zielgespräche, Coaching, Mentoring)?
  11. Wie lassen sich Lernziele branchenspezifisch ausgestalten (IT, Metall/Elektro, Pflege, Handel)?
  12. Welche Vorlagen, Operatorenlisten und Formulierungshilfen helfen im Alltag?
  13. Wie motivieren wir Azubis mit Zielsystemen (OKR light, Gamification, Growth Mindset)?
  14. Welche typischen Fehler & Stolperfallen gibt es – und wie vermeiden wir sie?
  15. Wie sichern wir Qualität & Kennzahlen (KPI-Set, Befragungen, Audit/Peer-Review, PDCA)?
  16. Praxisbeispiele: Drei Lernzielketten vom Onboarding bis zur Abschlussprüfung
  17. Tools & Digitalisierung: LMS, ePortfolio, Lernanalytik, Schnittstellen
  18. Inklusion & individuelle Lernziele: Nachteilsausgleich, Sprachförderung, Assistierte Ausbildung
  19. Nachhaltigkeit & ESG-Kompetenzen: Lernziele jenseits der Fachlichkeit
  20. Zukunft & Trends: KI-gestützte Lernpfade, Lernfabriken 4.0, Microlearning, Adaptive Lernziele
  21. Implementierung in 30/60/90 Tagen: Fahrplan für Betrieb & Schule
  22. Glossar zentraler Begriffe

Kurzfassung (Warum sich das Lesen lohnt): Lernziele sind der rote Faden jeder erfolgreichen Ausbildung – im Betrieb, in der Berufsschule und in der ÜBS. Wer Lernziele sauber definiert, SMART formuliert, an Taxonomien ausrichtet, rechtssicher dokumentiert (BBiG/HwO, Rahmenlehrpläne, Schulrecht, DSGVO) und konsequent misst (KPI-Set, Evaluation, PDCA), verbessert Lernprozesse, Prüfungsreife und Übernahmechancen. Dieser Glossarartikel führt praxisnah durch alle Schritte – mit Operatorenlisten, Formulierungshilfen, Rubrics, Beispiel-Zielketten und Checklisten für den schnellen Einsatz im Betrieb und in der Schule.

Was sind Lernziele – und wozu brauchen wir sie in der dualen Ausbildung?

Lernziele beschreiben erwartete Ergebnisse des Lernens: Was kann eine Auszubildender nach einem Unterrichtsabschnitt, einer Unterweisung, einem ÜBS-Kurs oder einem Projekteinsatz nachweislich? Sie machen Erwartungen transparent, steuern Methoden und Medien, bilden die Basis für Leistungsnachweise und Prüfungsvorbereitung und unterstützen die Qualitätssicherung.

Abgrenzungen:

  • Lerninhalte = Stoff/Themen (z. B. „Wartung von Maschinen“).
  • Kompetenzen = übergeordnete Handlungsfähigkeit (Fach-, Methoden-, Sozial-, Personalkompetenz).
  • Lernziele = konkreter, messbarer Soll-Zustand (z. B. „Die/der Azubi führt eine Wartung selbstständig nach Herstellervorgaben durch und dokumentiert Abweichungen fachgerecht.“).

Nutzen auf einen Blick: Klarheit für alle Beteiligten, zielgerichtete Förderung, bessere Prüfungsreife, geringere Abbruchquote, höhere Übernahmequote.


Welche Arten von Lernzielen gibt es (kognitiv, affektiv, psychomotorisch)?

Ein bewährtes Raster unterscheidet drei Dimensionen:

  1. Kognitive Lernziele (Wissen/Denken): kennen, verstehen, analysieren, bewerten, entwickeln.
  2. Affektive Lernziele (Einstellungen/Werte): Bereitschaft, Verantwortung, Teamorientierung, Arbeitssicherheit.
  3. Psychomotorische Lernziele (Fertigkeiten/Handeln): bedienen, montieren, programmieren, pflegen, messen.

Praxisbeispiel (IT-Fachinformatik):

  • Kognitiv: „Die/der Azubi erklärt Client-Server-Architektur und vergleicht Vor-/Nachteile verschiedener Protokolle.“
  • Affektiv: „Die/der Azubi beachtet Datenschutzrichtlinien und reflektiert ethische Aspekte beim Umgang mit Kundendaten.“
  • Psychomotorisch: „Die/der Azubi richtet einen Webserver ein und führt Basishärtungsmaßnahmen durch.“

Wie formuliert man Lernziele SMART – und was sind gute Operatoren?

Die SMART-Formel sichert Qualität:

  • Spezifisch: eindeutig, fachlich präzise („Installiert…“ statt „Beschäftigt sich…“)
  • Messbar: überprüfbar über Kriterien/Indikatoren („…nach Checkliste X in ≤ 45 Minuten“)
  • Attraktiv/Acceptable: nachvollziehbar sinnvoll für Azubis und Betriebe
  • Realistisch: passend zum Niveau/Zeitrahmen/Equipment
  • Terminiert: mit Zeithorizont (Unterweisung, Lernfeld, Meilenstein)

Operatorenliste (Auszug) für messbare Formulierungen:

  • Reproduktion: benennen, beschreiben, darstellen, wiedergeben
  • Verständnis/Anwendung: erklären, zuordnen, anwenden, durchführen, protokollieren
  • Analyse/Synthese: analysieren, strukturieren, entwerfen, modellieren
  • Bewertung/Transfer: beurteilen, bewerten, argumentieren, optimieren, verbessern

Von vage zu messbar:

  • Vage: „Azubi kennt Sicherheitsregeln.“
  • SMART: „Azubi nennt fünf Gefährdungen am Arbeitsplatz, wendet die PSA-Vorschriften in zwei typischen Situationen korrekt an und dokumentiert Abweichungen im Sicherheitsprotokoll.“

Wie helfen Taxonomien (Bloom, Anderson/Krathwohl) bei Lernzielen?

Taxonomien strukturieren Niveaustufen.

  • Bloom klassisch: Wissen – Verstehen – Anwenden – Analysieren – Synthese – Bewerten.
  • Anderson/Krathwohl (revidiert): Erinnern – Verstehen – Anwenden – Analysieren – Evaluieren – Erschaffen.

Praxis: Weisen Sie jedem Lernziel eine Taxonomiestufe zu und wählen Sie passende Operatoren. So entsteht eine Zielhierarchie vom Basiswissen bis zur handlungsorientierten Problemlösung.

Beispiel Metall:

  • Erinnern: „Azubi nennt Normen für Gewinde.“
  • Anwenden: „Azubi stellt M10-Gewinde mit Schneideisen her.“
  • Evaluieren/Erschaffen: „Azubi bewertet Toleranzen und entwickelt Optimierungen für die Serienproduktion.“

Welche Rechtsgrundlagen und Rahmen (BBiG/HwO, Rahmenlehrpläne, Schulrecht, DSGVO) sind relevant?

BBiG (Berufsbildungsgesetz) & Handwerksordnung (HwO): bilden die Grundlage für die duale Ausbildung – Vertragsverhältnisse, Pflichten, Eignung von Betrieben/Ausbildenden, Prüfungen, Zuständigkeiten. Lernziele müssen mit der Ausbildungsordnung und dem betrieblichen Ausbildungsplan konform gehen.

Rahmenlehrpläne (KMK) & Lernfeldkonzept: definieren die schulische Seite. Lernziele werden in Lernfeldern und Lernsituationen operationalisiert; Ausrichtung an Arbeits- und Geschäftsprozessen.

Schulrecht/Schulgesetze der Länder: regeln Organisation (Block-/Teilzeit), Leistungsnachweise, Noten, Versetzungen, Nachteilsausgleich, Mitwirkungsgremien.

DSGVO bei Leistungsdaten & Feedback: Leistungsdaten sind personenbezogen. Grundsätze:

  • Rechtsgrundlage & Zweckbindung: z. B. Schulgesetze, BBiG, Ausbildungsordnung, Prüfungsordnung.
  • Datenminimierung: nur erforderliche Daten erheben/speichern.
  • Transparenz & Betroffenenrechte: Information über Zweck, Speicherfristen, Auskunftsrechte.
  • Sicherheit: Zugriffskontrollen, Rollen-/Rechtekonzepte, Protokollierung.
  • Auftragsverarbeitung: mit Tool-Anbietern (LMS, Azubi-App) vertraglich regeln.

Praxis-Tipp: Ein Datenschutzkonzept für Lernziel- und Leistungsdokumentation (inkl. ePortfolio/e-Berichtsheft) zentral im Prozesshandbuch hinterlegen.


Wie leiten Betriebe und Schulen Lernziele aus Ordnungsgrundlagen ab?

Top-down & bottom-up kombinieren:

  • Top-down: Ausbildungsordnung (BBiG/HwO), Rahmenlehrplan, Prüfungsordnung → Jahresplanung → Lernziele pro Lehrjahr/Unterweisung/Lernsituation.
  • Bottom-up: reale Arbeitsaufträge/Projekte im Betrieb → konkrete, messbare Lernziele → Abgleich mit Lernfeldern/Prüfungsanforderungen.

Gemeinsame Matrix: Spalten = Lernfelder/Lehrjahre/Prüfungsteile; Zeilen = betriebliche Prozesse/Kompetenzen; Zellen = konkrete Lernziele mit Operatoren und Indikatoren.


Wie integrieren wir Lernziele in den betrieblichen Ausbildungsplan (je Lehrjahr)?

  1. Onboarding (Monat 1–3): Sicherheits- und Organisationsziele, digitale Tools, Kommunikationsstandards.
  2. Grundlagenphase (Lehrjahr 1): Geräte/Software/Prozesse kennenlernen, einfache Tätigkeiten selbstständig durchführen.
  3. Vertiefung (Lehrjahr 2): komplexere Aufgaben, Qualitätssicherung, Kunden-/Teamkommunikation.
  4. Selbstständigkeit (Lehrjahr 3/4): eigenverantwortliche Projekte, Prüfungsvorbereitung, Dokumentation.

Format für jedes Modul: Lernziel(e) – Methoden – Ressourcen – Zeit – Leistungsnachweis – Ansprechpartner – Risiken – Unterstützungsangebote.


Wie verankern Berufsschulen Lernziele in Lernfeldern und Lernsituationen?

Lernfeldorientierung: Lernziele nicht isoliert, sondern entlang realer Arbeits- und Geschäftsprozesse.

Lernsituationsdesign:

  • Ausgangspunkt: authentischer Auftrag (z. B. Kundenreklamation, Montageauftrag, Pflegeprozess).
  • Ziele: fachlich, methodisch, sozial; Taxonomiestufen zuordnen.
  • Leistungsnachweise: Produkte (Bericht, Präsentation, Prototyp), Verfahren (Test, Gespräch), Rubrics.

Didaktische Jahresplanung: Terminiert Lernfelder, ÜBS, Prüfungen; synchronisiert mit betrieblicher Einsatzplanung.


Welche Rolle spielen AEVO und Unterweisung für Lernziele im Betrieb?

AEVO (Ausbildereignungsverordnung) verlangt didaktisch-methodische Planung. Gute Unterweisungen beginnen mit klaren Lernzielen, passenden Methoden (4-Stufen-, Leittext-, Projektmethode) und geeigneten Leistungsnachweisen.

Beispiel (4-Stufen-Methode, Metall):

  • Ziel: „Azubi richtet Drehmaschine ein und fertigt Werkstück gemäß Zeichnung (Toleranz H7).“
  • Vormachen – Nachmachen – Üben – Kontrolle; Bewertungsbogen mit Kriterien (Maßhaltigkeit, Oberflächengüte, Arbeitssicherheit, Zeit).

Wie überprüfen wir Zielerreichung (formativ, summativ, Rubrics, ePortfolio)?

Formativ (begleitend): Lernjournale, Kurztests, Peer-Feedback, ePortfolio-Artefakte; dienen der Steuerung.

Summativ (abschließend): Klassenarbeiten, praktische Prüfungen, Projektberichte, Fachgespräche.

Rubrics/Bewertungsraster: Kriterien x Niveaus (z. B. 1–4). Beispielkriterien: Fachrichtigkeit, Selbstständigkeit, Qualität/Tempo, Dokumentation, Kommunikation, Arbeitssicherheit.

ePortfolio & e-Berichtsheft: sammeln Nachweise; verknüpfbar mit Lernzielen/Kompetenzrastern; Voraussetzung zur Prüfungszulassung beachten.


Wie funktionieren Kommunikation & Feedback rund um Lernziele (Zielgespräche, Coaching, Mentoring)?

Zielgespräche (Azubi/Betrieb/Schule):

  • Start des Lehrjahres: Ziele vereinbaren, Kompetenzraster durchgehen.
  • Quartals-Check-ins: Fortschritt, Hindernisse, Maßnahmen.
  • Vor Prüfungsteilen: fokussierte Lernziele (z. B. Report, Fachgespräch).

Feedbackzyklen:

  • Kurzfeedback nach Einsätzen/Unterweisungen (2–5 Minuten).
  • Reflexionsgespräche monatlich (Was lief gut? Was lernen wir?).
  • Mentoring: erfahrene Fachkräfte begleiten, teilen implizites Wissen.

Tipps: konkret, zeitnah, verhaltens- statt personenbezogen, Beispiele nennen, nächste Schritte vereinbaren.


Wie lassen sich Lernziele branchenspezifisch ausgestalten (IT, Metall/Elektro, Pflege, Handel)?

IT (Anwendungsentwicklung/Systemintegration):

  • „Azubi modelliert eine REST-API mit OpenAPI und implementiert zwei Endpunkte mit Authentifizierung.“
  • „Azubi analysiert Logs und behebt eine Störung im 2nd Level gemäß SOP.“

Metall/Elektro:

  • „Azubi verdrahtet einen Steuerungsschrank nach Plan und prüft Schutzmaßnahmen nach VDE.“
  • „Azubi fertigt Serienbauteile und optimiert Schnittparameter für geringeren Werkzeugverschleiß.“

Pflege:

  • „Azubi plant eine Grundpflege, führt sie durch und evaluiert die Wirkung unter Beachtung von Hygiene und Kommunikation.“

Handel:

  • „Azubi präsentiert Ware verkaufsfördernd, führt Bedarfsgespräche und schließt Kaufverträge DSGVO-konform ab.“

Branchenstandards und Curricula der zuständigen Stellen beachten.


Welche Vorlagen, Operatorenlisten und Formulierungshilfen helfen im Alltag?

Operatorenliste (erweitert, Auswahl):

  • Wissen/Verstehen: aufzählen, definieren, beschreiben, erklären, unterscheiden
  • Anwenden: anwenden, durchführen, bedienen, konfigurieren, protokollieren
  • Analysieren: analysieren, prüfen, strukturieren, vergleichen, Ursachen ermitteln
  • Bewerten: beurteilen, bewerten, abwägen, Risiken einschätzen, priorisieren
  • Erschaffen: entwerfen, modellieren, programmieren, implementieren, optimieren

Formulierungshilfe (Template):

„Nach Abschluss von [Maßnahme] kann die/der Azubi [Operator + Handlung] [Objekt/Produkt] unter [Bedingungen/Normen/Tools] in [Qualitäts-/Zeitmaß] und [Dokumentationsanforderung].“

Checkliste Lernziele (Kurz):


Wie motivieren wir Azubis mit Zielsystemen (OKR light, Gamification, Growth Mindset)?

OKR light (Objectives & Key Results):

  • Objective (qualitativ): „Sicher im Kundenkontakt auftreten.“
  • Key Results (messbar): „3 erfolgreiche Bedarfsgespräche mit Score ≥ 80/100; 2 positive Kundenfeedbacks; 1 Trainingsreflexion im ePortfolio.“

Gamification: Badges, Level, Quests, Progress Bars im LMS/der Azubi-App – gekoppelt an Lernzielerreichung.

Growth Mindset: Fehler als Lernchancen; Reflexionsfragen („Was habe ich gelernt?“ statt „Warum hat es nicht geklappt?“).

Zielbindung: Ziele gemeinsam aushandeln, Visualisierung (Kanban/OKR-Board), regelmäßige Erfolge feiern.


Welche typischen Fehler & Stolperfallen gibt es – und wie vermeiden wir sie?

  • Unmessbare Verben („kennen“, „verstehen“ ohne Nachweis) → durch Operatoren ersetzen und Kriterien festlegen.
  • Input statt Outcome („Unterweisungsinhalt: XY“) → auf beobachtbares Ergebnis umstellen.
  • Zu weite/enge Ziele → in Etappen/clustern; Zielkonflikte früh erkennen (Qualität vs. Zeit).
  • Keine Anschlussprüfung → formativ + summativ planen; Rubrics nutzen.
  • Datenschutzlücken → Rollen/Rechte, Speicherfristen, AV-Verträge, Schulungen.

Wie sichern wir Qualität & Kennzahlen (KPI-Set, Befragungen, Audit/Peer-Review, PDCA)?

KPI-Set (Beispiele):

  • Zielerreichungsgrad pro Lernziel/Lernsituation (0/1/teilweise + Kommentar)
  • Bestehensquote (Teil 1/Teil 2), Zwischenprüfungswerte
  • Durchlaufzeit bis zur Zielerreichung; Fehlzeitenquote
  • Kompetenzentwicklung laut Raster; Portfolio-Score
  • Übernahmequote, Abbruch-/Wechselquote

Befragungen: Zufriedenheit Azubis/Ausbilder*innen/Lehrkräfte; Selbsteinschätzung vs. Fremdeinschätzung; NPS.

Audit/Peer-Review: wechselseitige Hospitationen, Dokumenten-Checks, Fallanalysen, Maßnahmenpläne.

PDCA-Zyklus: Plan (Ziele setzen) – Do (umsetzen) – Check (Daten auswerten) – Act (verbessern). Quartalsweise Reviews im Steuerkreis.


Praxisbeispiele: Drei Lernzielketten vom Onboarding bis zur Abschlussprüfung

Case A – Kaufmann/-frau im Einzelhandel (6 Monate):

  • Ziel 1 (Monat 1–2): „Azubi bedient Kassensystem inkl. Storno, führt Tagesabschluss durch (Fehler ≤ 0,2 %).“
  • Ziel 2 (Monat 3–4): „Azubi führt Bedarfsgespräche nach AIDA, dokumentiert Leads im CRM; Kundenzufriedenheit ≥ 4/5.“
  • Ziel 3 (Monat 5–6): „Azubi plant Aktionsfläche (4 m²), setzt Warenpräsentation um und evaluiert Absatzentwicklung (≥ +8 %).“

Case B – Pflegefachfrau/-mann (Projekt über 8 Wochen):

  • „Azubi erhebt Pflegebedarf (ATL), plant Maßnahmen, führt Grundpflege durch, evaluiert Wirkung; Hygiene-Score ≥ 90 %.“
  • Leistungsnachweis: Pflegebericht, Übergabegespräch, Checkliste, Reflexion.

Case C – Fachinformatiker*in Anwendungsentwicklung (Sprint-basiert):

  • „Azubi entwirft Datenmodell, implementiert CRUD, schreibt Unit-Tests (Coverage ≥ 80 %) und deployed in Staging.“
  • Leistungsnachweis: Code-Review (Rubric), Demo, README, Ticket-Board.

Tools & Digitalisierung: LMS, ePortfolio, Lernanalytik, Schnittstellen

LMS/LXP: Kurse, Quests, Tests, Badges; Zuweisung von Lernzielen zu Modulen; Rollen-/Rechte.

ePortfolio & e-Berichtsheft: Artefakte (Berichte, Fotos, Code, Checklisten) verknüpfen; Gegenzeichnung; Prüfungszulassung beachten.

Lernanalytik: Dashboards für Zielerreichung, Frühwarnindikatoren (Fehlzeiten, Leistungsabfall), Empfehlungen.

Schnittstellen: SSO, sichere APIs zwischen Schul- und Betriebssystemen; Auftragsverarbeitung gemäß DSGVO.


Inklusion & individuelle Lernziele: Nachteilsausgleich, Sprachförderung, Assistierte Ausbildung

Individuelle Anpassung: Ausgangsniveau, Sprachstand, förderrelevante Bedarfe erheben; differenzierte Lernziele setzen.

Nachteilsausgleich: Zeitverlängerung, Hilfsmittel, alternative Leistungsnachweise – transparent und rechtskonform beantragen.

Sprachförderung: Visualisierung, Glossare, einfache Sprache, Tandem-Lernen; Feedback in klaren, kurzen Sätzen.

Assistierte Ausbildung: Koordination mit Trägern, Mentorings, sozialpädagogische Unterstützung; Ziele realistisch staffeln.


Nachhaltigkeit & ESG-Kompetenzen: Lernziele jenseits der Fachlichkeit

Ökologie: Ressourceneffizienz, Abfallmanagement, Energieverbrauch messen und optimieren.

Soziales: Diversität, Gesundheit, Arbeitssicherheit, Kundenorientierung.

Governance: Compliance, Datenschutz, Informationssicherheit, Qualitätsmanagement.

Beispielziel: „Azubi berechnet den CO₂-Fußabdruck eines Produktionsschritts und entwickelt Maßnahmen zur Reduktion um ≥ 10 %.“


KI in der Ausbildung: automatische Zielvorschläge aus Job-/Prüfungsprofilen; Feedback-Generatoren; personalisierte Lernpfade.

Lernfabriken 4.0 & Simulatoren: realitätsnahe, risikoarme Trainings; Daten für Rubrics/KPIs; Verknüpfung mit Branchenstandards.

Microlearning & Adaptive Formate: kleine, just-in-time Lernziele; Push-Reminders; mobile Lernhäppchen.

Ethik & Datenschutz: Transparenz, Bias-Prüfung, Datenminimierung; DSGVO strikt einhalten.


Implementierung in 30/60/90 Tagen: Fahrplan für Betrieb & Schule

0–30 Tage (Pilot):

  • 5–10 Kernlernziele für ein Lehrjahr/Team definieren (SMART + Operatoren + Rubric).
  • ePortfolio-Ordnerstruktur + Datenschutzkonzept anlegen (Rollen/Rechte, Speicherfristen, AV-Vertrag).
  • Erste Zielgespräche, Kanban-/OKR-Board aufsetzen.

31–60 Tage (Rollout):

  • Lernziele in Unterweisungs- und Lernsituationspläne integrieren; formative Checks einbauen.
  • KPI-Dashboard (Zielerreichung, Fehlzeiten, Noten/Kompetenzraster) einführen.
  • Schulung Ausbilder*innen/Lehrkräfte (Operatoren, Rubrics, Feedback).

61–90 Tage (Optimierung):

  • Peer-Review/Audit durchführen; PDCA-Review im Steuerkreis.
  • Vorlagen/Checklisten finalisieren; Branchenziele ergänzen.
  • Vorbereitung auf Prüfungsteile (Report, Fachgespräch) systematisch verankern.

Glossar zentraler Begriffe

  • BBiG (Berufsbildungsgesetz): rechtliche Grundlage der Berufsausbildung in Deutschland.
  • HwO (Handwerksordnung): regelt Ausbildung im Handwerk.
  • Rahmenlehrplan (KMK): curricularer Rahmen für die Berufsschule, Lernfelder/Lernsituationen.
  • DSGVO: Datenschutz-Grundverordnung; Schutz personenbezogener Daten (Leistungsdaten!).
  • Rubric/Bewertungsraster: Kriterien x Niveaustufen zur fairen Bewertung.
  • OKR: Objectives & Key Results; Zielsystem mit qualitativen Zielen und messbaren Ergebnissen.
  • PDCA: kontinuierliche Verbesserung in vier Schritten (Plan–Do–Check–Act).

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