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Teilzeitausbildung

Wie die verkuerzte Ausbildungszeit fuer Eltern, Pflegende und alle anderen seit 2020 funktioniert

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Inhaltsverzeichnis· 12 Abschnitte▾

Was ist eine Teilzeitausbildung? Kannst du wirklich jede Ausbildung in Teilzeit machen? Wie stark verlaengert sich dadurch deine Ausbildungsdauer, und wie viel Geld bekommst du dann noch? Wenn du Kind, Pflegefall oder eine gesundheitliche Einschraenkung mit einer Berufsausbildung unter einen Hut bringen willst, ist die Teilzeitausbildung oft die Loesung, von der viele gar nicht wissen, dass sie seit einer Gesetzesreform inzwischen fuer alle offensteht. Sie klingt nach Kompromiss, ist aber ein vollwertiger Ausbildungsweg mit demselben Abschluss am Ende.

In diesem ausfuehrlichen Glossarartikel auf heyjobstarter.de erfaehrst du, was eine Teilzeitausbildung rechtlich bedeutet, seit wann sie fuer alle Azubis moeglich ist, wie die Kuerzung der taeglichen und woechentlichen Ausbildungszeit konkret funktioniert und welche Auswirkungen das auf Dauer und Verguetung hat. Der Artikel richtet sich an Schueler:innen, angehende Azubis, Eltern in spe, pflegende Angehoerige und alle Berufseinsteiger:innen, die sich fragen, ob eine Ausbildung in Teilzeit fuer ihre Lebenssituation passt.


1. Was ist eine Teilzeitausbildung genau?

Die Teilzeitausbildung, im Gesetz als "Teilzeitberufsausbildung" bezeichnet, ist eine ganz normale duale Berufsausbildung mit reduzierter taeglicher oder woechentlicher Arbeits- und Ausbildungszeit im Betrieb. Du durchlaeufst denselben anerkannten Ausbildungsberuf, denselben Ausbildungsrahmenplan und dieselbe Abschlusspruefung wie deine Kolleg:innen in Vollzeit. Der einzige Unterschied: Du bist taeglich oder woechentlich weniger Stunden im Betrieb, dafuer erstreckt sich die Ausbildung ueber einen laengeren Zeitraum.

Rechtliche Grundlage ist § 7a des Berufsbildungsgesetzes (BBiG). Wichtig zu wissen: Eine Teilzeitausbildung ist kein eigener Ausbildungsberuf und keine "Ausbildung light" – du erwirbst exakt dieselbe Qualifikation wie in Vollzeit, nur gestreckt auf mehr Kalenderjahre.


2. Seit wann ist die Teilzeitausbildung fuer alle moeglich?

Frueher war die Teilzeitberufsausbildung nur eine Ausnahmeregelung fuer eng definierte Faelle, vor allem fuer Auszubildende mit Kind oder mit pflegebeduerftigen Angehoerigen. Wer keinen dieser anerkannten Gruende nachweisen konnte, hatte praktisch keinen Zugang zu diesem Modell.

Mit der Reform des Berufsbildungsgesetzes, die zum 1. Januar 2020 in Kraft trat, hat sich das grundlegend geaendert: Seitdem koennen alle Auszubildenden eine Teilzeitausbildung vereinbaren, unabhaengig davon, ob ein besonderer familiaerer oder gesundheitlicher Grund vorliegt. Betrieb und Azubi muessen sich lediglich gemeinsam auf das Modell einigen. Ein "wichtiger Grund" im engeren Sinn ist rechtlich nicht mehr zwingend erforderlich, auch wenn viele Betriebe in der Praxis natuerlich trotzdem nach der Motivation fragen.

Wichtig: Diese Oeffnung fuer alle betrifft ausschliesslich die duale Berufsausbildung nach BBiG bzw. Handwerksordnung. Schulische Ausbildungen und duale Studiengaenge folgen eigenen Regelungen ihrer jeweiligen Bildungstraeger.


3. Wie funktioniert die Verkuerzung der taeglichen oder woechentlichen Ausbildungszeit?

Im Kern reduziert ihr im Ausbildungsvertrag die regelmaessige taegliche oder woechentliche Ausbildungszeit im Betrieb gegenueber der Vollzeit-Referenz aus dem jeweiligen Ausbildungsberuf. Zwei gaengige Modelle in der Praxis:

Taegliche Verkuerzung

Du arbeitest an allen Ausbildungstagen, aber mit kuerzerer taeglicher Stundenzahl, zum Beispiel sechs statt acht Stunden. Das erleichtert etwa die Kinderbetreuung nach der Kita-Abholzeit.

Woechentliche Verkuerzung

Du arbeitest an weniger Wochentagen mit voller Stundenzahl, zum Beispiel vier statt fuenf Tage. Das kann bei Pflegeaufgaben mit festen Terminen sinnvoll sein.

Wie stark die Kuerzung ausfallen darf, ist gesetzlich gedeckelt: Die taegliche oder woechentliche Ausbildungszeit darf gegenueber der Vollzeit-Ausbildung um nicht mehr als 50 Prozent reduziert werden. Eine staerkere Kuerzung als die Haelfte ist grundsaetzlich nicht vorgesehen, weil sonst die Vermittlung der noetigen Ausbildungsinhalte gefaehrdet waere. Die zustaendige Stelle, also IHK oder Handwerkskammer, prueft bei Eintragung des Vertrags, ob die vereinbarte Kuerzung mit dem Ausbildungsziel noch vereinbar ist.

Der Unterricht in der Berufsschule findet in aller Regel unveraendert im vollen Umfang statt. Die Kuerzung betrifft die betriebliche Ausbildungszeit, nicht deine Pflicht zum Berufsschulbesuch.


4. Welche Auswirkung hat Teilzeit auf die Ausbildungsdauer?

Weniger Wochenstunden bedeuten logischerweise: Um dieselben Ausbildungsinhalte zu vermitteln, braucht es mehr Kalenderzeit. Die Gesamtdauer deiner Ausbildung verlaengert sich also im Verhaeltnis zur Kuerzung. Gesetzlich gedeckelt ist diese Verlaengerung auf hoechstens das Eineinhalbfache der Vollzeit-Ausbildungsdauer: Bei einer Kuerzung um 50 Prozent kann sich eine dreijaehrige Ausbildung also auf bis zu viereinhalb Jahre verlaengern.

Die genaue neue Dauer wird individuell im Ausbildungsvertrag festgelegt und muss von der zustaendigen Kammer genehmigt werden. Es gibt dabei keinen automatischen, fixen Faktor fuer jeden Fall, sondern eine Einzelfallpruefung, die sicherstellt, dass am Ende alle Lerninhalte des Ausbildungsrahmenplans tatsaechlich vermittelt wurden.

ModellWoechentliche AusbildungszeitBeispielhafte Gesamtdauer bei 3 Jahren Vollzeit
Vollzeitausbildung100 %3 Jahre
Teilzeitausbildung, leichte Kuerzungca. 75 %ca. 4 Jahre
Teilzeitausbildung, maximale Kuerzungca. 50 %ca. 4,5 Jahre (gesetzliches Maximum)

Tipp: Wenn du im Laufe der Ausbildung merkst, dass du wieder mehr Stunden schaffst, kann eine Rueckkehr zur Vollzeit oder eine Anpassung der Kuerzung mit dem Betrieb und der Kammer besprochen werden. Umgekehrt kann eine gute Leistung auch zu einer regulaeren Verkuerzung der Ausbildung fuehren, was ein anderer Mechanismus ist als die Teilzeitregelung.


5. Wie wirkt sich die Teilzeit auf die Ausbildungsverguetung aus?

Die Faustregel ist einfach: Die Verguetung darf hoechstens im gleichen Verhaeltnis gekuerzt werden wie die Ausbildungszeit. Arbeitest du zum Beispiel 75 Prozent der ueblichen Wochenstunden, muss deine Verguetung mindestens 75 Prozent der fuer Vollzeit ueblichen bzw. angemessenen Verguetung betragen, darf also nicht staerker gekuerzt werden als deine Stunden.

Das bedeutet in der Praxis: Wenn du dich fuer Teilzeit entscheidest, solltest du deine finanzielle Situation realistisch durchrechnen, insbesondere wenn du dadurch Kind oder Angehoerige versorgst und gleichzeitig auf ein planbares Einkommen angewiesen bist. Ergaenzende Leistungen wie Kindergeld, Wohngeld oder Berufsausbildungsbeihilfe koennen je nach individueller Situation infrage kommen, das solltest du am besten direkt mit der Familienkasse beziehungsweise der Agentur fuer Arbeit klaeren.

Wichtig: Auch in Teilzeit gelten die gesetzlichen Mindestvorgaben zur Ausbildungsverguetung weiterhin, nur eben anteilig auf Basis der vereinbarten Wochenstundenzahl. Ein Anspruch auf die volle Vollzeit-Verguetung trotz reduzierter Stunden besteht nicht.


6. Fuer wen eignet sich eine Teilzeitausbildung besonders?

Auch wenn seit 2020 grundsaetzlich jede:r Auszubildende eine Teilzeitausbildung vereinbaren kann, gibt es typische Lebenslagen, in denen dieses Modell besonders haeufig gewaehlt wird:

  • Eltern, die waehrend der Ausbildung ihr Kind betreuen und Kita- oder Schulzeiten mit dem Berufsalltag vereinbaren muessen
  • Auszubildende, die einen Angehoerigen pflegen und dafuer regelmaessig Zeit brauchen
  • Menschen mit gesundheitlichen Einschraenkungen oder chronischen Erkrankungen, fuer die eine volle Wochenstundenzahl aktuell nicht machbar ist
  • Quereinsteiger:innen oder aeltere Erwachsene, die neben familiaeren oder finanziellen Verpflichtungen eine Berufsausbildung nachholen wollen
  • Auszubildende mit Leistungssport oder anderen zeitintensiven Verpflichtungen, sofern der Betrieb mitzieht

Wenn du unsicher bist, ob dein Fall passt: Sprich das offen im Vorstellungsgespraech oder direkt mit deinem Ausbildungsbetrieb an. Seit der Reform brauchst du keine formale Rechtfertigung mehr, aber Transparenz erleichtert die Planung fuer beide Seiten enorm.


7. Wie stellst du den Antrag auf eine Teilzeitausbildung?

Eine Teilzeitausbildung entsteht nicht automatisch, sie muss aktiv vereinbart und formal eingetragen werden. So laeuft der Ablauf typischerweise ab:

  • Du sprichst mit deinem (zukuenftigen) Ausbildungsbetrieb ueber deinen Wunsch nach reduzierter Ausbildungszeit
  • Betrieb und du einigt euch gemeinsam auf Umfang und Modell der Kuerzung (taeglich oder woechentlich)
  • Die Vereinbarung wird im Ausbildungsvertrag festgehalten, inklusive der angepassten Gesamtdauer
  • Der Vertrag wird bei der zustaendigen Stelle, also IHK oder Handwerkskammer, zur Eintragung eingereicht
  • Die Kammer prueft, ob die Kuerzung mit dem Ausbildungsziel vereinbar ist, und traegt den Vertrag entsprechend ein

Tipp: Klaere die Details am besten schon vor Vertragsunterschrift, also bevor du den Ausbildungsvertrag final unterschreibst. Ein nachtraeglicher Wechsel von Vollzeit auf Teilzeit ist grundsaetzlich moeglich, erfordert aber ebenfalls eine neue Vereinbarung mit Betrieb und Kammer.


8. Welche Voraussetzungen muessen Betrieb und Beruf erfuellen?

Grundsaetzlich kommt eine Teilzeitausbildung fuer alle staatlich anerkannten dualen Ausbildungsberufe infrage. In der Praxis spielt aber eine Rolle, wie gut sich der Betriebsablauf mit reduzierten Praesenzzeiten organisieren laesst. Einige Punkte, auf die es ankommt:

  • Der Betrieb muss zustimmen, ein Rechtsanspruch auf Teilzeit gegen den Willen des Betriebs besteht nicht
  • Die vermittelten Ausbildungsinhalte muessen laut Ausbildungsrahmenplan weiterhin vollstaendig abgedeckt werden koennen
  • Der Berufsschulunterricht muss weiterhin regulaer besucht werden, unabhaengig vom Teilzeitmodell im Betrieb
  • Bei Minderjaehrigen gelten zusaetzlich die Vorgaben aus dem Jugendarbeitsschutzgesetz zu taeglichen und woechentlichen Hoechstarbeitszeiten

Manche Betriebe sind mit dem Modell bereits vertraut, andere haben es noch nie eingesetzt. Ein offenes Gespraech mit der Personalabteilung oder Ausbilderin bzw. dem Ausbilder klaert meist schnell, ob und wie eine Umsetzung im konkreten Betrieb funktioniert.


9. Vor- und Nachteile der Teilzeitausbildung im Ueberblick

Damit du besser einschaetzen kannst, ob das Modell zu dir passt, hier die wichtigsten Argumente gegenuebergestellt:

VorteileNachteile
Ausbildung und familiaere oder gesundheitliche Verpflichtungen lassen sich besser vereinbarenGeringere Ausbildungsverguetung im Vergleich zur Vollzeit
Gleicher anerkannter Abschluss wie in VollzeitLaengere Gesamtdauer bis zum Berufsabschluss
Planbare, feste Reduzierung statt staendiger UeberlastungNicht jeder Betrieb ist organisatorisch darauf eingestellt
Seit 2020 ohne besonderen Rechtfertigungsgrund moeglichZustimmung der Kammer und des Betriebs zwingend erforderlich

10. Haeufig gestellte Fragen zur Teilzeitausbildung

Verdiene ich in Teilzeit automatisch die Haelfte?

Nein, nur wenn du auch tatsaechlich mit 50 Prozent der Wochenstunden startest. Die Verguetung richtet sich immer nach dem Anteil deiner vereinbarten Ausbildungszeit im Vergleich zur Vollzeit, nicht nach einem festen Pauschalbetrag.

Kann mein Betrieb die Teilzeitausbildung ablehnen?

Ja. Da die Kuerzung eine gemeinsame Vereinbarung zwischen dir und deinem Betrieb voraussetzt, kann der Betrieb dem Modell auch nicht zustimmen. Ein einseitiger Anspruch auf Teilzeit besteht nicht, in der Praxis lohnt sich aber ein sachliches Gespraech ueber die betrieblichen Moeglichkeiten.

Aendert sich etwas an der Abschlusspruefung?

Nein. Du legst dieselbe Zwischen- und Abschlusspruefung ab wie deine Kolleg:innen in Vollzeit, zum selben inhaltlichen Anspruchsniveau. Lediglich der zeitliche Rahmen bis dahin ist laenger.

Kann ich waehrend der Ausbildung von Teilzeit zurueck auf Vollzeit wechseln?

Grundsaetzlich ja, sofern Betrieb und Kammer zustimmen. Die Vertragsaenderung wird dann erneut formal angepasst, inklusive der neu berechneten Ausbildungsdauer und Verguetung.


Fazit: Teilzeitausbildung als flexibler Weg zum vollwertigen Berufsabschluss

Die Teilzeitausbildung nach § 7a BBiG macht die duale Berufsausbildung deutlich flexibler, ohne beim Abschluss Abstriche zu machen. Seit der Reform 2020 ist sie nicht mehr auf bestimmte Lebenslagen beschraenkt, sondern kann grundsaetzlich von jedem Azubi mit Zustimmung des Betriebs vereinbart werden, egal ob wegen Kind, Pflege, Gesundheit oder anderen persoenlichen Gruenden.

Wichtig bleibt: Weniger Stunden bedeuten eine laengere Ausbildungsdauer und eine anteilig geringere Verguetung, dafuer aber eine Ausbildungssituation, die tatsaechlich zu deinem Alltag passt. Wer sich fruehzeitig mit Betrieb und Kammer abstimmt, kann dieses Modell reibungslos in den eigenen Karriereweg einbauen.


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